Tag 30, Lötzen und Boyen

Ein gemütlicher Tag war es heute. Wir haben uns Gizycko (dt Lötzen) etwas angeschaut, die Seepromenade heimgesucht und uns dann wieder mal dem Wehrhaftigen zugewandt und die Festung Boyen, nur wenige hundert Meter westlich vom Städtli gelegen, angeschaut. Die Festung wurde 1855 fertiggestellt und ist hauptsächlich aus Backstein gefertigt. Sie diente dem preussischen Reich dazu, die Grenze gegen Russland abzusichern. Die Dimensionen sind eindrücklich aber wirklich viel gibt es nicht (mehr) zu sehen.

Tag 29, Masurische Seen

Ein Tag ohne Bunker, Krieg, Vernichtung und Heilige!

Wir haben bei sommerlichen Temperaturen etwas die schöne Seenlandschaft erkundet. Was auffällt ist, dass es wenige Gelegenheiten gibt, um eine Wanderung entlang eines Sees zu machen, auch die Velowege sind ausserhalb der Agglomerationen eher spärlich. Man braucht hier eben das Boot! Und man kann sich auf diesen grossen Seen vertun.

Tag 28, Wolfsschanze und Mauerwald

Heute war Bunkertag. Zuerst haben wir die etwa 30 km entfernte Wolfsschanze, das ehemalige Führerhauptquartier, besucht, das in einem dichten Wald in der Nähe von Gierloz (dt Görlitz) angelegt wurde. Über 1000 ha verteilt, wurden hier Baracken, Bunker, u.a. der Führerbunker und der Bunker für Hermann Göring gebaut. In einer der Baracken fand am 20. Juli 1944 das von Oberst Stauffenberg geführte Attentat auf Hitler statt, das bekanntlich fehl schlug.

Vier Monate nach dem Attentat wurde die Wolfschanze geräumt und die Bunker gesprengt. Als wir heute durch den friedlichen Wald spazierten, die Ergebnisse der rohen Kraft der Sprengungen betrachteten, so ist schwer vorstellbar, dass das eine der Schaltzentralen für einen so desaströsen Geschichtsabschnitt gewesen ist.

Danach fuhren wir weiter nach Mamarki (dt Mauerwald), hier war der wesentlich grössere Bunkerkomplex des deutschen Oberkommandos des Heeres angesiedelt. Es gab Platz für 40 Generäle, 1500 Offiziere und Soldaten. Hier wurde der Russlandfeldzug, die grösste Militäroffensive im 20. Jahrhundert (Unternehmen Barbarossa) geplant und geführt.

Die Bunker sind alle noch erhalten und wir konnten Verbindungstunnels und Gänge mit iPhone-Licht erkunden.

Tag 27, Heilige Linde

Swieta Lipka (dt Heilige Linde) ist ein polenweit bedeutender Ort der Marienverehrung. Der barocke Bau wurde im 17. Jahrhundert von den Jesuiten erbaut und ist mit seinem Kreuzgang, seinen Fresken und dem riesigen Hochaltar schon beeindruckend. Aber das wertvollste Stück ist die Barockorgel, sie wurde 1719 bis 1721 gebaut. Der Organist kann zum Spiel die Engel auf der Orgel drehen oder nicken lassen und die Glöcklein schwingen und drehen lassen. Hunderttausende pilgern pro Jahr hierher und bitten um Ablass.

Wir sind etwa um 12.00 vor der Kirche gestanden, die Leute haben den Eingang belagert und der Gottesdienst wurde per Lautsprecher nach daussen übertragen. Um 12.30 war die Orgelvorführung mit den Dreh- und Nickengeln angesagt und wir warteten. Plötzlich Bewegung und eine ganze Prozession mit weiss gekleideten Geistlichen mit Kreuzen, Helgedrääger, der Bischof? unter dem Dächli, das von vier älteren Herren getragen wurde, Körbe mit Gemüse und Brot sowie ein grosser, toll gemachter Güggel, richtig Erntedankfest. Der Umzug bewegte sich zum Hügel gegenan und viele Leute folgten ihm. Das war die Gelegenheit, rein in die Stube und wir sassen auf einem der „Rückenbrecher-Bänggli”. Zuerst Pause, dann Orgelspiel und dann – kam die ganze Prozession zurück in die Kirche, inklusive Güggel!

Dann dauerte es noch ein Weilchen, bis das Programm beendet war und die Leute die Kirche verliessen – und jetzt stürmten die Touris die noch verbleibenden Plätze für die Orgeldemo. Sie tönte toll, die Orgel, erinnerte mit den bewegten Figuren manchmal an Jahrmarkt, aber hören- und sehenswert.

Nach einem Abstecher nach Reszel mit Burg und einem Halt in Ketrzyn mit Seeli, sind wir wieder durch die sensationellen Alleen mit alten Eichen zu unserem Hüsli am See zurückgefahren.

Ich habe das Velo etwas fit gemacht, vermutlich ist es noch aus der UdSSR-Zeit, aber es bewegte sich. Ich fuhr zu einem der vielen Kanäle, zu dem mit der antiken Drehbrücke, die immer noch von Hand bedient wird. Die grossen Seen hier sind mit Kanälen verbunden, im 19. Jahrhundert waren das die wichtigen Transportwege mit den Dampfschiffen.

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Klappmast, Vorstag wird mit Bügel nach hinten geklappt, Talje dient zum wieder Aufrichten.

Nun werden die Kanäle für die Freizeitschifffahrt genutzt und die Segelschiffe, alle mit Kippmasten ausgestattet, nutzen diese Kanäle rege.

Tag 26, Allenstein – Wilkasy

Die heutige 100 km lange Fahrt auf unglaublichen Federtester- und später perfekten Auto-Strassen hat uns ins Herz der hügeligen und mit Seen durchzogenen Nordmasuren gebracht. Unterwegs haben wir tatsächlich ein „echtes” masurisches Vorlaubenhaus gesehen!

Wir haben unser kleines Hüsli in Wilkasy, das nahe am See steht und sicher Moskitoanschluss (aber kein Wifi) hat, übernommen und sind in den Hauptort Giżycko (dt Lötzen) einkaufen gegangen. Wir haben Velos und ein Ruderboot zur Verfügung, mal sehen.

Danach ein kleiner Spaziergang in die Marina des „grossen Sees Niegocin”; es hat viele Chartersegelboote hier, aber sie geben sie nur ab 3 Tagen Mietdauer ;-(

Noch kurzer „Nachkauf” im Käffli, 700g Kartoffeln, 5 Schweinsplätzli (360g) und ein Nüsslisalat (250 g) macht zusammen 10 Zloty, also weniger als 3 CHF!

Heute wieder mal kochen, Spaghetti Napoli und ein Merlot aus Bulgarien.

Tag 25, Freiluft-Museum Hohenstein

Unser Ausflug führte uns heute bei durchzogenem Wetter nach Olsztynek (dt Hohenstein). Hier besuchten wir das Masurische Freilichtmuseum mit ostpreussischen Bauernhäusern, Kirchen und Windmühlen; das Ballenberg Ostpreussens sozusagen.

Wir haben etwa 20 dieser klassischen „Vorlaubenhäuser”, der typische Stil in dieser Gegend zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert, mit 3 verschiedenen Ausprägungen mit Inneneinrichtung angeschaut. Die Windmühlen wurden von den holländischen Mennoniten gebaut, die hier eingewandert sind und sich auch um die Trockenlegung von Teilen des Weichseldeltas gekümmert haben.

Hübsch gemacht, die Objekte waren auch in deutscher und englischer Sprache beschriftet, aber das Personal in den Häusern sprach ausschliesslich Polnisch.

Nicht weit weg davon betrieben die Deutschen von 1939 bis 1945 das grösste ostpreussische Kriegsgefangenenlager, Stalag 1b, in dem 55‘000 vornehmlich russische Soldaten inhaftiert waren und unzählige von ihnen starben.

Tag 24, Elblag – Allenstein

Auf der heutigen Fahrt von Elblag nach Olsztyn (dt Allenstein), haben wir noch einen Umweg über Frombork (dt Frauenburg) und Orneta eingebaut.

Frauenburg ist ein kleines Hafenstädtchen an der Frischen Haff und ist bekannt für seinen Domhügel, wo der grosse Dom, umgeben von Festungsmauern und einem Burgfried steht. Er wurde um 1400 erstellt und Nicolaus Kopernicus hat eine lange Zeit hier verbracht und ist hier begraben.

Dann ging es weiter durch wunderschöne Alleen mit alten Bäumen und alten Strassen. Die Landschaft ist jetzt vielfältiger, es hat sanfte Hügel, kleine Seen und Viehwirtschaft.

Orneta ist ein unscheinbares Kaff, es ist aber eines der Wenigen, die den Zweiten Weltkrieg praktisch unbeschadet überlebt haben. Sehenswert sind ein paar Häuser und die Kirche.

Unser Nachtlager in Allenstein ist gut 2km ausserhalb der Altstadt in einem Satellitenquartier, nicht gerade heimelig, aber es geht.

Tag 23, Elblag – Ostroda – Kanal

Eines der sieben polnischen Wunder stand heute auf dem Programm. Es ist der Elblag-Ostroda-Kanal (dt Oberländerkanal , der 1860 in Betrieb genommen wurde und insgesamt etwa 80km lang ist und 100m Höhe überwindet. Er diente vor allem dazu, den Weg für den Holztransport aus den oberländischen Wäldern in die Ostseehäfen zu verkürzen. Bei der Planung hatte man sich überlegt, ob sie  die verschiedenen Seen absenken oder die nötigen 32 Schleusen erstellen sollten und man kam zum Schluss, dass man es anders und vor allem günstiger lösen werde!

Es wurden fünf trockene, schiefe Ebenen, verteilt auf 9,5 Kilometer, installiert auf denen an einem Endlosseil je zwei gegenläufige Transportwagen, nach dem Prinzip einer Standseilbahn, auf Schienen festgemacht sind. An den Enden der schiefen Ebene werden die Wagen auf den Schienen ins Wasser geführt, so dass das Schiff schwimmend auf dem Wagen positioniert werden kann. Wenn alles bereit ist, wird Signal gegeben und im Maschinenhaus, das jeweils am oberen Ende der Rampe, etwas unterhalb des Kanals angesiedelt ist, die herabführende Wasserzufuhr geöffnet, die dann über ein grosses unterschlächtiges Wasserad und Untersetzumg die Seiltrommel und damit die beiden Wagen antreibt.

Wir starteten um 08.45 in Elblag und durchquerten zuerst das grosse Naturreservat des seichten Drausen-Sees. Hier sollen 180 Vogelarten sowie viele Fisch- und Insektenarten anzutreffen sein.

Nach etwa 2 Stunden kam die erste Rampe in Sicht. Markant sind die drei Umlenkräder, die am unteren Ende das Endlosseil führen. Der Skipper fuhr das Schiff (25 m lang), geleitet von den 2 Seitengeländern, die aus dem Wasser ragten, auf den unter Wasser stehenden Transportwagen. Eine einfache Sicherung mit 2 Tauen gegen hinten und vorne und ab ging es im Schritttempo die erste 13m hohe Rampe hoch. Oben angekommen, tauchte der Wagen weg und das Schiff fuhr weiter. Genial und es funktioniert ohne Probleme.

Noch 4 weitere Rampen und nach etwa 4,5 Stunden und 100 Meter gewonnener Höhe, hatten wir den Endpunkt unserer Kanalreise in Buczyniec erreicht.

Danach ging es mit dem Bus wieder zurück nach Elblag.

 

Tag 22, Danzig – Elblag

Unsere heutige Reise von Danzig nach Elblag (dt Elbling) haben wir etwas verlängert und uns noch die Frische Nehrung, eine Halbinsel die die Danziger Bucht vom Weichsel Haff abtrennt und sich über etwa 35 km von West nach Ost zieht. Im Osten gehört ein kleiner Teil zur russischen Exklave Kalliningrad, den haben wir ausgelassen. Bis zum Beginn der Nehrung hat es der Ostseeküste entlang noch eine alte Schmalspurlinie, die immer noch einmal im Tag für die Touris bedient wird.

Die Nehrung ist grösstenteils bewaldet und hat laaaange Sandstrände, die gut erschlossen und ein paar Touridörfer, die nach polnischem Stil mit Beizen und Shops ausgerüstet sind. Die Strassen könnten von Kia als Federungs- und Stossdämpfertest ausgewählt worden sein oder sie werden vom lokalen Garagengewerbe so gehalten. Unglaubliche Badewannen und Löcher und alle fahren in der Mitte, weil es dort weniger knallt und ziehen erst im letzten Moment auf ihre Seite, wenn gekreuzt wird. Ich habe das heute trainiert und es funktioniert.

Auf unserer Fahrt ist das Navi und auch die Navigatorin etwas warm geworden: Gesperrte Strassen, neue, dem Navi unbekannte Abschnitte, heftige Gewitter und banale Umleitungen waren der Grund.

Die Landschaft ist immer noch flach, viel Kulturland, mal ein Fluss und mal ein Kanal, viele Windräder und mal ein Kohlenhaufen, der in der Pampas verstromt wird.

Nach iterativem Anfahren des Hotels in der Altstadt von Elblag (3 Runden) hat dann BT den Hotel-Check-in übernommen, ich habe das Auto gehütet. Nach 10 Minuten ruft mich BT an und meint, sie hätten jetzt unsere Reservation gefunden, sie sei aber für den 28. September (anstatt August)! Aber alles gefixt, wir haben eine angenehme Liege für die nächsten 2 Nächte.

Elblag hat ein hübsches, überschaubares Altstädtli, aber wir sind ja wegen dem Elblag-Kanal da….

Tag 21, Halbinsel Hel

Heute stand ein Ausflug auf die Halbinsel Hel auf dem Programm. Dank ihrer exponierten Lage, wie ein Riegel vor der Danziger Bucht, wimmelt es von Bunkern, Festungsstellungen und anderen Anlagen aus den Jahren 1918 bis 1977. Wir sind nur bis zur Mitte der Halbinsel nach Jastarnia gefahren und haben uns etwas umgesehen. Hunderte von Surfern haben den guten Wind genossen.

1939 schon hatte sie deutsche Kriegsmarine in der Bucht Torpedo-Versuchsstellen eingerichtet, wo sie im ruhigen Wasser die Präzision der Waffen optimierten.

Auf dem Rückweg nach Danzig machten wir noch in Puck (Putzig) halt und besuchten den netten Marktplatz und den historischen Fischerhafen.

Zurück in Danzig haben wir es dann doch noch geschafft, die Marienkirche, die grösste Backsteinkirche von Europa, zu besuchen und mit dem Weitwinkel aufs Silizium zu bannen.