03.02.2017, Tag 23, Adelaide und Aborigines

Wir sind nun drei Wochen in Australien unterwegs und haben uns natürlich immer wieder gefragt, wie es den Aborigines, den Ureinwohnern, eigentlich geht.

Nicht so einfach. Wir haben ihre Kunst in Museen und Gallerien bestaunt, Kulturzentren angeschaut, hatten aber den Eindruck, dass das alles eher von Einwanderern arrangiert ist. Auch haben wir bemerkt, dass es die Flagge der Ureinwohner gibt:

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Flagge der Aborigines Australiens
Wo sind sie denn? Die Musiker und Bettler an den Touriorten? Wir mussten lernen, dass nicht alle dunkel sind und die charakteristischen Gesichtszüge tragen, sondern unauffällig unter uns sein können.

Heute haben wir unseren Cappucino im Garten der Public Library in Modbury genossen und ich bin anschliessend in die Bibliothek und habe mir die Sektionen mit den Büchern über Aborigines zeigen lassen und etwas in denselbigen gestöbert.

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Standardwerk
Anschliessend habe ich mit der Dame etwas über das Thema gesprochen – ich hatte das Gefühl, dass es ihr nicht so richtig wohl war dabei, aber sie hat bestätigt, dass es immer noch ein Thema sei, sie mich aber, auf meine Frage nach angestellten Aborigines in der Bibliothek entsetzt anschaute und meinte, Nein, das wisse man nicht!

Alles in allem etwas sonderbar das Thema und den schwierigen Zugang, den wir haben. Irgendwie erinnert es mich stark an die Situation der Indianer oder Schwarzen in den USA oder den Jenischen und Verdingkindern in der Schweiz, auch wenn diese nicht, wie die Aborigines, die älteste noch vorhandene (gelebte) Kultur repräsentieren.

Hier meine Kurzfassung der Geschichte, natürlich mit der Gefahr der Simplifizierung.

Die Ureinwohner von Australien kamen vor etwa 40’000 bis 60’000 Jahren (Mungo Man und Mungo Lady) über eine Landbrücke von Indonesien auf den trockenen Kontinent, wo sie ihre Kultur entwickelten und sich erfolgreich mit der harten Umgebung arrangierten.

Mit der Einwanderung der Europäer ab 1778 (Cook entdeckte Australien 1770) und der Erklärung von “Land Zero” war klar, dass den Ureinwohnern keine Landrechte zugestanden werden.

Es entbrannte eine Art Guerillakampf zwischen den Einwanderern und den Aborigines, der von den Engländern totgeschwiegen wurde, aber auf Seite Ureinwohner mindestens 20’000 und auf Einwandererseite 2’000 Opfer forderte. Dazu kamen Krankheiten, die insgesamt die Ureinwohner um 90 bis 95% auslöschten.

1933 war der Tiefsstand mit etwa 90’000 Aborigines erreicht. Je nach Territorry erkämpften sich die Ureinwohner unterschiedliche zivile Rechte.

Selbstverständlich gab es auch viele Beispiele wo Aborigines mit den Einwanderern zusammengearbeitet haben und, nicht zu vergessen, Tausende, die im ersten und zweiten Weltkrieg für Australien gekämpft haben.

In den 50er und 60er Jahre wurde ein Regierungs-Programm durchgezogen, bei dem tausende Kinder aus den Aborigines Familien gerissen wurden, um meist wie Slaven bei Eingewanderten aufzuwachsen.

Die australische Regierung hat sich dafür und die unrechtmässige Übernahme des Landes entschuldigt und weitere Reformen eingeführt. Es gibt z.B. nun Bezirke, die von Aborigine Communities verwaltet werden.

Zur Zeit werden mehr als 600’000 Aborigines gezählt, die Geburtsrate beträgt 2,1 und höchstens 10% leben in den Outbacks.

Glaubt man den Statistiken, so sind die Ureinwohner (noch) schlechter gestellt, sie verdienen weniger, die Selbstmordrate ist höher, die Lebenserwartung signifikant kleiner und die Scheidungsrate weit höher als bei den Einwanderern.

Am Nachmittag haben wir noch eine kleine Wanderung entlang dem Dry Creek, einer Art Bachgrabenbächlein, das sich fast 25 km um Adelaide zieht und an unserem Hotel vorbei kommt, gemacht.

02.02.2017, Tag 22, Adelaide und Umgebung

Ein kurzes Erdbeben mit Stärke 3,7, um 0.37 am Morgen hat uns kurz geschüttelt, das Hotel blieb stehen; es war harmlos.
Als erstes haben wir am Morgen das “Classic Jets Fighter Musuem” am alten Flughafen besucht. Allerdings war da nur ein Jet, dafür ein richtig Alter mit Jahrgang 1958, eine De Havailland SeaVenom, ein ähnliches Flugzeug, wie es die Schweizer Flugwaffe eingesetzt hat, aber eben die Navy Version mit klappbaren Flügeln für die Verwendung auf dem Fluzeugträger. Das ausgestellte Modell diente auf der HMS Melbourne.
Wir hatten in dem Hangar eine super private Führung – und dann kam das Highlight: ein begleiteter Rundgang im Hangar nebenan, wo insgesamt 20 Freiwillige seit 8 Jahren eine Corsair F4U-1 anhand von Überresten zweier Havaristen neu aufbauen. Es war beeindruckend, welche Begeisterung und Fachkompetenz dort zu spüren war. Allerdings wird die Replika nie fliegen, das wäre schlicht zu teuer gekommen.
Anschliessend eine Fahrt in die Adelaide Hills nach Hahndorf, das um 1830 von 50 deutschen Auswandererfamilien gegründet wurde. Ein Hotdog mit Sauerkraut war ein Muss.
Weiter ging es dann zum Mt. Lofty (710m), der einen schönen Überblick über Adelaide bietet.
Wir beschlossen in die City zu fahren und nochmals einen “Anlauf” zu wagen. Es gibt einige schöne alte Gebäude, doch die Innenstadt ist von verkehrsreichen Strassen durchzogen, was es nicht gemütlicher macht. Wir haben eine (Die) Fussgängerzone gefunden, war okay. Es gibt grosszügige Grünflächen, auch im Zentrum, die schön daherkommen, aber für uns Fussgänger wird es dann enorm gross.
Ihr spürt sicher, dass wir (bis jetzt) noch nicht richtig warm geworden sind mit dieser Stadt.

01.02.2017, Tag 21, Mildura – Adelaide

Heute ging es wieder westwärts, etwa 400km dem Sturt Highway entlang. Flach und links und rechts zuerst noch Reben, dann zunehmend Buschland. Ab und zu zeigte sich der Murray River und wir überquerten ihn einige Male. Seine Mäander und verwaisten Läufe sind beeindruckend.
Vor Renmark, dem verschlafenen Hauptort der Weinregion Riverdale im Bundesstaat Südaustralien, gibt es eine “Einreisesperre” für Fruchtfliegen. Am Checkpoint an der Grenze gaben wir unsere 4 Äpfel freiwillig ab.

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Im Kaffee von Renmark bestaunten wir die Auslage der Pies. Insbesondere die “Steak & Kidney Pie” beeindruckte uns, wir liessen es aber sein.
Waiter fuhren wir durchs Barossa Valley, ein schmuckes und grosses Weingebiet mit deutschen Wurzeln.
Anschliessend durch die Adelaide Hills und schon wieder stimmt etwas mit dem Navi nicht! Schon gestern wollte uns TomTom nach etwa 8km seiner empfohlenen Route einfach wieder umkehren lassen. Wir haben das ignoriert, Karte, Peilkompass und Sextant ausgepackt und das auf die alte Art gemacht. Und nach einem harten Reset hat das Ding auch wieder gewusst wo’s langgeht. Aber heute, wir hatten etwa 14 Uhr 10 und Tomtom behauptete, dass wir um 14.01 an unserem Hotel ankommen würden. Strange! Zuerst haben wir es mal wieder ignoriert, aber dann war Nachdenken angesagt;-)
Die Erklärung war einfach: Süd-Australien ist gegenüber Victoria um eine halbe Stunde zurück, das wusste das Navi, aber die Uhr des Autoradios nicht!

Also, dann Ankunft bei unserer Bleibe, ein etwas eigenes “Park Suites & Convention Center”, das aber ein supergrosses Zimmer mit Gratisparkplatz, Aussicht auf Park und einem Einkaufszentrum vis-à-vis zu einem guten Preis bietet. Allerdings ist es etwa 15 km vom Zentrum von Adelaide entfernt.

Im selbigen Zentrum fanden wir eine seltsame Werbung mit der höheren Lebenserwartung der Schweizer…

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Wir besuchten noch das Zentrum von Adelaide mit etwas Sushi vom Band und schlossen den Abend in Glenelg am Strand ab.