Drei Stunden Richtung Nordosten mit keinem Highlight, so zumindest war die Ansage.
Als Start ein Lowlight – des Morgenessen, kaltes Teewasser und mindestens 3 Tage altes Toastbrot, das sich unter der Trockenheit bog. Aber wir sind ja auch kein Freund von Food Waste.
Wir fuhren dann bei immer noch kühleren Temperaturen ostwärts und bald wurde die wüstenähnliche Landschaft durch grüne Weiden, grosse Ranches und zunehmend auch Wald abgelöst.
Erster unfreiwilliger Halt bei der Border Control. Zwei Officers mit offensichtlich mexikanischer Herkunft wollten die Papiere sehen. Kein Problem, und ich fragte sie dann nach ihrer “Erfolgsquote” und sie meinten, das seien schon 1000 Illegale, die sie pro Woche aufgreifen würden. Da meinte der eine Officer, ob ich gerne die Zellentrakte ansehen wolle, er könne meinen Pass auch als “zu prüfen” qualifizieren. Ich lehnte dankend ab und die beiden lachten. Weiter ging es.
Kurzer Stop in Uvalde, aber es ist eher ein Nest. Wir fuhren weiter, und irgendwie folgte ich dem Wegweiser “Historic District” in Castroville und wir parkten bei der evangelischen Kirche von 1863. Ein kurzer Spaziergang zur Coffee-Bar, einmal mehr mir exzellentem Cappuccino! Dann noch bei der Lederwerkstatt vorbei, die erst vor 10 Jahren in diesem Haus, nachdem es über 100 Jahre als Schmiede diente, eröffnet wurde.
Danach noch etwas Beinevertreten und wir landeten beim “Living History Museum” wo uns ein Mann mit den Worten “Guten Tag, wie geht es Ihnen?” begrüsste – und das war dann der Anfang von einer zwei Stunden dauernden Konversation und Führung, zusammen mit seiner äusserst sympathischen Frau (Siehe Bild oben).
Die beiden stammen ursprünglich von Urgrosseltern aus der Schweiz und dem Elsass ab.
in den 1850er Jahren war Castro vom Elsass nach Texas ausgewandert und nach kurzer Zeit unterstützten ihn die texanischen Behörden, mehr Siedler nach Texas zu bringen. Als Anreiz wurde recht grosszügig Land und ein einfaches Haus für jede Siedlerfamilie in Aussicht gestellt. Castro erhielt für jeden neuen Siedler zusätzlich 50 ha Land zugesprochen. Viele Auswanderer aus dem Elsass, Dem deutschen Rheinland und auch aus der Nordwestschweiz machten sich 1860 von Le Havre aus auf die Fahrt ins “gelobte Land”.
25 Schiffe mit 2000 Siedlern überquerten den Atlantik in etwa 120 Tagen (ich brauchte 25) und landeten in Galveston oder New Orleans. Von dort ging es dann zu Fuss oder mit Pferdekarren nordwärts in das Siedlungsgebiet.
Die Traditionen des Elsass haben im Städtchen bis heute Bestand, sie sprechen Deutsch oder Elsässisch, essen Flammenkuchen, Sauerkraut, Pasteten etc. Und haben ihre traditionellen Tanzfeste.
Auch mit dem (richtigen) Elsass in Frankreich wird die Beziehung gepflegt, unsere Guides gehen jedes Jahr zu kulturellen Veranstaltungen ins Sundgau und umgekehrt. Und, die Elsässer von Walbach haben den Castrovillern das Steinbachhaus, das 1618 im Elsass erbaut wurde, Anfang 2000 im Container zusammen mit den Spezialisten für den Aufbau, nach Castroville geschickt.
Es war eine wirklich interessante und herzliche Begegnung mit dem Ehepaar und, so zumindest sein Statement, wir seien die ersten Besucher aus der Schweiz ;-).
Danach ging es weiter nach San Antonio, am Schluss doch noch ein 12-spuriger Highway, dann noch eine Zusatzrunde und wir waren beim Hotel nahe an Downtown.
Abends war der Riverwalk angesagt. Unglaublich was sie hier geschaffen haben. Entlang des San Antonio Rivers sind die Uferwege und Beizen über lange Distanzen zu einem richtigen Fussgängerparadies entwickelt worden. Es scheint sehr erfolgreich und die Leute lieben es.
Nach einem Apero auf einer Terrasse am Riverwalk, haben wir uns für ein Dinner im “Little Rhein Steak House” entschieden. Ein wunderbarer Platz auf der Veranda, zarte Steaks und ein guter Cabernet aus Texas haben dann die Kreditkarte etwas erwärmt.
Also, doch einige Highlights heute!!

Die Evangelische Kirche in Castroville.

Haus in Castroville.

Produkte aus der Lederwerkstatt.

Das Living Museum in Castroville

Ein wirklich guter Cappuccino.

Das transferierte Steinbach-Haus aus Walbach.

San Antonio am Riverwalk.

Ready for Dinner.

Die Aussicht von der Veranda.

Riverwalk by night.

Super Fotos! — Lokal produzierte Genüsslichkeiten des Elsass sind: Carpes frites, Froschschenkel und Sürkrüt. Bei Tony in Oltigen gibt’s nicht nur letzteres als Sorbet sondern auch ersteres! Ha, les Alsaciens sind süpör créativ! — Haben sie diese Fähigkeit auch nach Texas übermittelt?
Hallo Urs Ich glaube schon, dass sie diese Fähigkeiten mitgenommen haben, sonst hätten sie hier gar nicht überlebt. Weg von zu Hause, eine Kiste mit Habseligkeiten, kein Wasser und immer wieder Indianer die ihr Land zurück wollten, da war Kreativität und Mut gefragt. Und der Zusammenhalt über ihre Traditionen war glaube ich schon wichtig für die Moral. Ob sie Froschschenkel gegessen haben, weiss ich nicht – würde mich nicht wundern.
Gute Zeit
Lg, Rolf
Rolf Tschäppeler
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