Tag 21, Halbinsel Hel

Heute stand ein Ausflug auf die Halbinsel Hel auf dem Programm. Dank ihrer exponierten Lage, wie ein Riegel vor der Danziger Bucht, wimmelt es von Bunkern, Festungsstellungen und anderen Anlagen aus den Jahren 1918 bis 1977. Wir sind nur bis zur Mitte der Halbinsel nach Jastarnia gefahren und haben uns etwas umgesehen. Hunderte von Surfern haben den guten Wind genossen.

1939 schon hatte sie deutsche Kriegsmarine in der Bucht Torpedo-Versuchsstellen eingerichtet, wo sie im ruhigen Wasser die Präzision der Waffen optimierten.

Auf dem Rückweg nach Danzig machten wir noch in Puck (Putzig) halt und besuchten den netten Marktplatz und den historischen Fischerhafen.

Zurück in Danzig haben wir es dann doch noch geschafft, die Marienkirche, die grösste Backsteinkirche von Europa, zu besuchen und mit dem Weitwinkel aufs Silizium zu bannen.

Tag 20, Danzig, Museum WW2

Das Museum des zweiten Weltkriegs wurde 2017 in Danzig eröffnet. Wir haben es heute besucht und uns gut 4 Stunden dort aufgehalten. Es erstreckt sich über 5000 m2 auf einer Ebene im 1 UG.

Das Ganze ist chronologisch und thematisch gegliedert. Man hat einen Hauptgang, von wo man in Seitenräume abzweigt; dort hat es Exponate, Filme und interaktive Themen. Mit dem Audioguide ist das ganze gut unterstützt und bei Filmen wird automatisch mit dem Audioguide die Synchronisation eingespielt, wirklich gut gemacht. Die Ausstellung beleuchtet vor allem die Aspekte des Weltkriegs auf dem Europäischen Kontinent und, welche Überrachung, einige spezifisch polnische Aspekte.

Interessant fand ich vor allem die Darstellung der sowjetischen Geschichte, die schon 1942 ihre “internen Säuberungen” starteten und die Deutschen dort von der Bevölkerung als Erlöser willkommen geheissen wurden.

Aus Sicht der Polen, die ja nur kurz wirklich selbstbestimmt waren, war die Aufteilung 1939 zwischen Deutschland und den Sowjets ein Desaster und nach Ende des Kriegs der vollständige Zuschlag von Polen zum sowjetischen Block eine Katastrophe.

Die Aspekte der Kollaboration mit den Nazis wird angesprochen, aber in Bezug auf Polen scheint es mir eher oberflächlich, aber das kennen wir ja von der Schweiz.

Alles in allem, sehr spannend und recht umfassend gestaltet!

Tag 18, Danzig

Nach zwei warmen und schönen Wochen erleben wir wieder mal Regen und etwas Kühle. Wir haben unser Appartement etwas amortisiert und gegen Abend noch eine Tour zu einem Teil der Danziger Werft unternommen (und endlich das Tor zur ehemaligen Lenin-Werft fotografiert, das man noch aus den Medien kennt).

Die Werftgegend an der toten Weichsel (tot, weil sie seid 1840 ihren Lauf in die Ostsee geändert hat und nun weiter östlich ins Meer fliesst und die toten Arme noch vom ehemaligen Zufluss der Mottlau gespeist wird) ist ziemlich heruntergekommen, es hat einige Brachen und in zwei Trockendocks ist gearbeitet worden. Auf dem Rückweg sind wir am 2. Weltkriegsmuseum, mit interessanter Architektur, vorbei wieder in die Innerstadt gelangt.

Tag 17, Danzig

Danzig ist eine sehr geschichtsträchtige Stadt. Erwa um 1000 wurde sie gegründet und war über die Zeit in vielfältigste Wirren involviert. Im Juli 1918 wurde sie ein unabhängiger Stadtstaat unter Aufsicht des Völkerbundes. 1933 erhält die NSDAP in Danzig die absolute Mehrheit! Am 1. September 1939 beginnt mit den Schüssen des Schlachtkreuzers „Schleswig-Holstein” auf die Danziger Westerplatte der Zweite Weltkrieg.

Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der neueren Geschichte war der Streik am 14. August 1980 in der Leninwerft in Danzig, wo unter der Leitung des Elektrikers Lech Walesa freie Gewerkschaften gefordert wurden. Es endete 1989 mit dem ersten frei gewählten Präsidenten von Polen, Lech Walesa.

Wir haben heute die Altstadt, die nach 1945 komplett neu aufgebaut wurde, angeschaut, die vielen Tore, das rechtstädtische Rathaus, sowie die schönen Strassen mit den tollen Fassaden und die „Hochwasser-Veranden” bestaunt. Wir besuchten die Polnische Post, die ebenfalls am 1. September 1939 durch die Wehrmacht überfallen wurde, aber die Pöstler wehrten sich über 14 Stunden erbittert gegen die Übermacht, wurden dann überrannt und umgebracht. Die Post wurde so ein Symbol für den polnischen Widerstand.

Am Nachmittag ging es dann zur ehemaligen Leninwerft mit dem neu erstellten Solidarnosch-Zentrum und dem 1980 errichteten Werftarbeiter-Denkmal, das den Opfern der Streiks von 1956, 1970 und 1976 gedenkt.

Irgendwie habe ich vergessen, das berühmte Tor zur Werft zu fotografieren, vielleicht hole ich es noch nach.

Tag 16, Posen – Thorn – Danzig

Von Posen nach Danzig (Gdansk) sind wir heute zuerst 130 km der Landstrasse 15 bis nach Torun (Thorn) gefolgt. Ein Weltkulturerbe, es ist eine der ältesten Städte von Polen (8. Jh.) und hat den 2. Weltkrieg unbeschadet überstanden. Schöne, überblickbare Altstadt, an der Weichsel gelegen, das machte die Fahrpause zum Vergnügen. Übrigens ist Torun die Geburtsstadt von Kopernikus, der das heliozentrische Weltbild aufzeigte und zum Ärger aller Geistlichen auch gut begründen konnte (sie akzeptierten es trotzdem nicht).

Danach ging es auf der A1 für 28 Zloty 200km zügig nordwärts bis Danzig.

Hier bezogen wir ein gut gepflegtes Zweizimmer-Appartment, kaum 300 Meter von der beeindruckenden Altstadt entfernt. Wir werden 6 Tage hier bleiben und Stadt und Umgebung erkunden.