Tag 12, Karpacz

Heute haben wir uns dem Dorf Karpacz (Krummhübel), ein typisches Strassendorf, gewidmet und einige der Sehenswürdigkeiten aufgesucht. Das Dorf am nördlichen Rand des Riesengebirges erstreckt sich etwa über 6km und 400 Höhenmeter von 450 bis 850m.

Als erstes wanderten wir dem Dorfbach „Lomnica” entlang, der schon 1920 eine Hochwassersperre erhalten hat. Dann, nach 100 Höhenmeter im Sessellift, ging es am „grossen Wasserfall” und der Gravitationsanomalie, die angeblich Autos bergwärts rollen lässt, vorbei, hoch zur eigentlichen Attraktion, der Stabholzkirche Wang. Sie stand ursprünglich in Norwegen (gebaut um 1200), wurde dort 1840 ausrangiert und König Friedrich Wilhelm IV kaufte sie und liess sie zerlegt mit Schiff, Bahn und Rosswagen nach Karpacz bringen und wieder aufrichten.

Tag 11, Karpacz – Schneekoppe

Um 09.30 lief ich heute vom Hotel los, Richtung schwarzem Wanderweg, der mich dann nach knapp zwei Stunden auf den Pass „Sowia Przel” (1164m) führte. Nach den zum Teil steilen ersten 600 Höhenmetern fand ich einen Platz auf einem improvisierten Bänggli, um etwas Flüssigkeit nachzufüllen. Neben mir sass eine ältere Dame, Hedwila, wie sich herausstellte. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte, wie sie in Polen aufgewachsen ist und 1980 in Anbetracht der Situation mit dem kommunistischen System und dem verhängten Kriegszustand, nur noch die Emmigration als Lösung sah. Sie flog nach Deutschland, erhielt dort den deutschen Pass, aber dann sei es für sie klar gewesen, dass sie in die USA auswandern wolle. Sie tat dies, heiratete in San Franzisco einen Schweizer aus Brunnen und gründete dort die Familie mit zwei Kindern. Sie hat auch den US-Pass, nur den Schweizerischen hat sie, aus welchen Gründen auch inmer, nicht erhalten.

Sie ist nun vierfache Grossmutter und Witwe, lebt in den USA, kommt aber regelmässig nach Polen zu Besuch.

Zur polnischen Geschichte meinte sie, dass sie zu ihrer Schulzeit so abstrus zurecht gebogen worden sei und sie sie sich dann in der Emmigration um andere Sachen kümmern musste. Es sei jetzt der Zeitpunkt für sie das aufzuarbeiten und es fasziniere und schaudere sie jeden Tag, wenn sie das tue.

Wir verabschiedeten uns fast wie alte Bekannte und ich stieg auf der Krete, der Polnisch-Tschechischen Grenze entlang Richtung Schneekoppe. Zwei Hügel noch dazwischen, die Wanderer wurden etwas zahlreicher und dann kam die Schlusssteigung zur Kuppe (1602m).

Schöne Ausblicke auf beide Seiten.

Der Gipfel war gut bevölkert, führt doch von der Tschechischen Seite eine Sesselbahn bis auf den Gipfel. Die Polnische Bahn fährt nur bis zur kleinen Koppe, etwa 300 Höhenmeter unterhalb der Schneekoppe.

Ich wanderte an der polnischen Bergstation vorbei und nahm den schwarzen Weg runter nach Karpacz und die Wandererdichte nahm schlagartig ab. Nach 1000 Metern Abstieg und insgesamt 6h Wanderung war alles klar, tolles Gebiet, sehr gut erschlossen und gut besucht.

Tag 10, Breslau – Karpacz

Auf dem Weg von Breslau nach Karpacz (400-800m) im Riesengebirge haben wir ohne grosse Umwege noch drei Unesco-Kulturerbgüter reingezogen:

Als Erstes die Friedenskirche in Swidnica. Es ist eine protestantische Kirche, erbaut 1656, die nur mit vielen Auflagen der herrschenden Katholiken gebaut werden durfte, z.B. Ein Jahr Bauzeit, nur Holz, Stroh und Lehm, kein äusserer Schmuck, etc. Um so mehr wurde die Kirche im Inneren mit vergoldetem Stuck und Deckengemälden verziert. Es wird die Katholiken noch heute wurmen, dass heute diese reformierte Kiche der Magnet ist!

Das zweite Erbstück war das Schloss Fürstenstein, gebaut im 13. Jh., das markant auf einem Felsen steht und prominente Schlossherren hatte. 1938 liess es Hitler beschlagnahmen und eine unterirdische Bunkerstadt dazubauen.

Als Drittes und Letztes war das 1272 erbaute Kloster von Krzeszow an der Reihe. Wir besichtigten die barocke Klosterkirche (1735) mit beeindruckendem Firlefanz. Für 5 Zloty bekam ich den Fotokleber auf die Brust – Lizenz zum föttele in der Kirche.

Morgen geht es in die Berge, die Schneekoppe (1602m), höchster Gipfel im Riesengebirge, an der tschechischen Grenze ruft!