Um 09.30 lief ich heute vom Hotel los, Richtung schwarzem Wanderweg, der mich dann nach knapp zwei Stunden auf den Pass „Sowia Przel” (1164m) führte. Nach den zum Teil steilen ersten 600 Höhenmetern fand ich einen Platz auf einem improvisierten Bänggli, um etwas Flüssigkeit nachzufüllen. Neben mir sass eine ältere Dame, Hedwila, wie sich herausstellte. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte, wie sie in Polen aufgewachsen ist und 1980 in Anbetracht der Situation mit dem kommunistischen System und dem verhängten Kriegszustand, nur noch die Emmigration als Lösung sah. Sie flog nach Deutschland, erhielt dort den deutschen Pass, aber dann sei es für sie klar gewesen, dass sie in die USA auswandern wolle. Sie tat dies, heiratete in San Franzisco einen Schweizer aus Brunnen und gründete dort die Familie mit zwei Kindern. Sie hat auch den US-Pass, nur den Schweizerischen hat sie, aus welchen Gründen auch inmer, nicht erhalten.
Sie ist nun vierfache Grossmutter und Witwe, lebt in den USA, kommt aber regelmässig nach Polen zu Besuch.
Zur polnischen Geschichte meinte sie, dass sie zu ihrer Schulzeit so abstrus zurecht gebogen worden sei und sie sie sich dann in der Emmigration um andere Sachen kümmern musste. Es sei jetzt der Zeitpunkt für sie das aufzuarbeiten und es fasziniere und schaudere sie jeden Tag, wenn sie das tue.
Wir verabschiedeten uns fast wie alte Bekannte und ich stieg auf der Krete, der Polnisch-Tschechischen Grenze entlang Richtung Schneekoppe. Zwei Hügel noch dazwischen, die Wanderer wurden etwas zahlreicher und dann kam die Schlusssteigung zur Kuppe (1602m).
Schöne Ausblicke auf beide Seiten.
Der Gipfel war gut bevölkert, führt doch von der Tschechischen Seite eine Sesselbahn bis auf den Gipfel. Die Polnische Bahn fährt nur bis zur kleinen Koppe, etwa 300 Höhenmeter unterhalb der Schneekoppe.
Ich wanderte an der polnischen Bergstation vorbei und nahm den schwarzen Weg runter nach Karpacz und die Wandererdichte nahm schlagartig ab. Nach 1000 Metern Abstieg und insgesamt 6h Wanderung war alles klar, tolles Gebiet, sehr gut erschlossen und gut besucht.