26.02.2017, Tag 46, Dunedin und Umgebung

Nach einem Capuccino und einem kurzen Sight Seeing in der beinahe menschenleeren Stadt, besuchten wir das Aktionsschiff “Steve Irvin”, BJ1972, der Sea Sheperds (eine Umweltschutzorganisation), das für zwei Tage hier in Dunedin Zwischenhalt machte und Stunden der offenen Türe anbot. Die letzte Mission (Nemenis) führte sie in die Antarktischen Gewässer, wo die Japanische Walfangflotte, die unter dem Vorwand, wissenschaftliche Studien zu betreiben, hunderte von Walen (auch in australischen Schutzzonen) erlegt. Die Sea Sheperds, ausgerüstet mit schnellen Gummibooten und einem Helikopter, versuchten die Aktivitäten der Japaner zu dokumentieren und wirksame Pressekampagnen zu generieren. Die Crew besteht aus 37 Personen, alles Freiwillige, inklusive Captain und Helipilot; sie arbeiten in 8 Stunden-Schichten, die minimal aus je 4 Personen besteht. Ein Tag einer solchen Operation, diese dauerte 73 Tage, soll etwa NZD 8000.- kosten, da besteht schon Spendenbedarf! Interessant war, dass ich 3 Crew-Mitglieder fragte, was denn die Kosten seien, und erst als ich mit dem Media Producer sprach, konnte er Zahlen angeben.

Auf die Frage, ob er schon mit Japanischen “Kollegen der anderen Seite” habe sprechen können, meinte er, nein, aber es sei schon so, dass dieser Walfang von der Regierung gebilligt, wenn nicht angeordnet sei und ihre Aktionen als Terror actions tituliert würden. Wie es die Japanische Bevölkerung sehe, konnte er mir nicht sagen, aber wer weiss, vielleicht kann ich solche Fragen etwas später stellen.

Wohin sie als nächstes auslaufen würden, fragte ich ihn, und er meinte, dass würde von ihrem Management erst in letzter Minute bekannt gegeben, vermutlich taktische Gründe, dachte ich.

Interessant, wenn nicht gar schizophren oder besser paradox (vielleicht passt auch ein anderes Wort?) ist, dass Sea Shepherd ehemalige Walfangschiffe verwendet, um heute gegen die Walfänger anzukämpfen. Genau, was ist komisch? Dass die Antihelden mit Booten kämpfen, an denen schon jede Menge Walblut klebt oder ist es eher umgekehrt, um all die leidenden und blutenden Wale zu “rächen” ist das genau die richtige Plattform. Ich weiss es nicht.

45 Minuten auf dem Schiff, ein paar Präsentationen und ein Gespräch mit dem Media Producer, das fand ich schon eindrücklich. Es scheint, dass die Leute, und ich spreche auch von Ü50, hier eine Passion zeigen, die vielleicht etwas radikal ist, aber Resultate zeigt, so hoffe ich jedenfalls. Ich habe (noch) nicht gespendet.

Kurze Pause, dann ging es weiter mit dem “Taieri Gorge Train”, der uns von Dunedin eben diese 56km lange Schlucht hinauf und wieder zurück fuhr. Das Ganze dauerte gute 4 Stunden und die Aussichten waren gut. Nicht ganz Rhätische Bahn, aber schön für NZ, dass sie diese Strecke nach deren Schliessung 1990 jetzt für Touris wieder zum Leben erweckt haben. Ursprünglich, nach einer Bauzeit von 1879 bis 1921, verbanden 235 km Schiene, vor allem für Fracht, Dunedin mit Cromwell im Zentrum der Südinsel.