Tag 20, Danzig, Museum WW2

Das Museum des zweiten Weltkriegs wurde 2017 in Danzig eröffnet. Wir haben es heute besucht und uns gut 4 Stunden dort aufgehalten. Es erstreckt sich über 5000 m2 auf einer Ebene im 1 UG.

Das Ganze ist chronologisch und thematisch gegliedert. Man hat einen Hauptgang, von wo man in Seitenräume abzweigt; dort hat es Exponate, Filme und interaktive Themen. Mit dem Audioguide ist das ganze gut unterstützt und bei Filmen wird automatisch mit dem Audioguide die Synchronisation eingespielt, wirklich gut gemacht. Die Ausstellung beleuchtet vor allem die Aspekte des Weltkriegs auf dem Europäischen Kontinent und, welche Überrachung, einige spezifisch polnische Aspekte.

Interessant fand ich vor allem die Darstellung der sowjetischen Geschichte, die schon 1942 ihre “internen Säuberungen” starteten und die Deutschen dort von der Bevölkerung als Erlöser willkommen geheissen wurden.

Aus Sicht der Polen, die ja nur kurz wirklich selbstbestimmt waren, war die Aufteilung 1939 zwischen Deutschland und den Sowjets ein Desaster und nach Ende des Kriegs der vollständige Zuschlag von Polen zum sowjetischen Block eine Katastrophe.

Die Aspekte der Kollaboration mit den Nazis wird angesprochen, aber in Bezug auf Polen scheint es mir eher oberflächlich, aber das kennen wir ja von der Schweiz.

Alles in allem, sehr spannend und recht umfassend gestaltet!

Tag 19, Marienburg und Sopot

Heute Mittag nahmen wir vom Danzig Hauptbahnhof einen wirklich alten Bummler nach Malbork. Dort steht das grösste Backsteinbauwerk von Europa und ist seit 1997 Weltkulturerbstück – die Marienburg. Sie ist wirklich gross und imposant, diese Burg, aber auch die Schlange vor dem Ticketschalter war nicht von schlechten Eltern. Nach einer guten halben Stunde hatten wir das Ticket und dann hätten wir nochmals 20 Min anstehen sollen für den Audioguide! Das haben wir dann ausgelassen und sind beim Eingang zur Burg angestanden….

Die Burg enstand 1270 und wurde vom Deutschen Orden, der zur Zeit der Kreuzzüge entstand, stetig erweitert. Die Säle, die Schlosskirche und die etwa 30m über dem Burggraben installierte Schissi sind schon eindrücklich. 1945 war die Burg erheblich zerstört und wurde dann über 40 Jahre wieder in den heutigen Zustand gebracht.

Danach ging es mit dem Zug zurück, wir blieben aber bis Sopot, ein Ostseebad, das nahtlos an Danzig anschliesst (und mit Gdingen die „Dreistadt” bildet), sitzen. Ein riesiger Sandstrand, viele Hotels und eine gut gefüllte Fussgängermeile rundeten das Ganze ab.

Tag 18, Danzig

Nach zwei warmen und schönen Wochen erleben wir wieder mal Regen und etwas Kühle. Wir haben unser Appartement etwas amortisiert und gegen Abend noch eine Tour zu einem Teil der Danziger Werft unternommen (und endlich das Tor zur ehemaligen Lenin-Werft fotografiert, das man noch aus den Medien kennt).

Die Werftgegend an der toten Weichsel (tot, weil sie seid 1840 ihren Lauf in die Ostsee geändert hat und nun weiter östlich ins Meer fliesst und die toten Arme noch vom ehemaligen Zufluss der Mottlau gespeist wird) ist ziemlich heruntergekommen, es hat einige Brachen und in zwei Trockendocks ist gearbeitet worden. Auf dem Rückweg sind wir am 2. Weltkriegsmuseum, mit interessanter Architektur, vorbei wieder in die Innerstadt gelangt.

Tag 17, Danzig

Danzig ist eine sehr geschichtsträchtige Stadt. Erwa um 1000 wurde sie gegründet und war über die Zeit in vielfältigste Wirren involviert. Im Juli 1918 wurde sie ein unabhängiger Stadtstaat unter Aufsicht des Völkerbundes. 1933 erhält die NSDAP in Danzig die absolute Mehrheit! Am 1. September 1939 beginnt mit den Schüssen des Schlachtkreuzers „Schleswig-Holstein” auf die Danziger Westerplatte der Zweite Weltkrieg.

Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der neueren Geschichte war der Streik am 14. August 1980 in der Leninwerft in Danzig, wo unter der Leitung des Elektrikers Lech Walesa freie Gewerkschaften gefordert wurden. Es endete 1989 mit dem ersten frei gewählten Präsidenten von Polen, Lech Walesa.

Wir haben heute die Altstadt, die nach 1945 komplett neu aufgebaut wurde, angeschaut, die vielen Tore, das rechtstädtische Rathaus, sowie die schönen Strassen mit den tollen Fassaden und die „Hochwasser-Veranden” bestaunt. Wir besuchten die Polnische Post, die ebenfalls am 1. September 1939 durch die Wehrmacht überfallen wurde, aber die Pöstler wehrten sich über 14 Stunden erbittert gegen die Übermacht, wurden dann überrannt und umgebracht. Die Post wurde so ein Symbol für den polnischen Widerstand.

Am Nachmittag ging es dann zur ehemaligen Leninwerft mit dem neu erstellten Solidarnosch-Zentrum und dem 1980 errichteten Werftarbeiter-Denkmal, das den Opfern der Streiks von 1956, 1970 und 1976 gedenkt.

Irgendwie habe ich vergessen, das berühmte Tor zur Werft zu fotografieren, vielleicht hole ich es noch nach.

Tag 16, Posen – Thorn – Danzig

Von Posen nach Danzig (Gdansk) sind wir heute zuerst 130 km der Landstrasse 15 bis nach Torun (Thorn) gefolgt. Ein Weltkulturerbe, es ist eine der ältesten Städte von Polen (8. Jh.) und hat den 2. Weltkrieg unbeschadet überstanden. Schöne, überblickbare Altstadt, an der Weichsel gelegen, das machte die Fahrpause zum Vergnügen. Übrigens ist Torun die Geburtsstadt von Kopernikus, der das heliozentrische Weltbild aufzeigte und zum Ärger aller Geistlichen auch gut begründen konnte (sie akzeptierten es trotzdem nicht).

Danach ging es auf der A1 für 28 Zloty 200km zügig nordwärts bis Danzig.

Hier bezogen wir ein gut gepflegtes Zweizimmer-Appartment, kaum 300 Meter von der beeindruckenden Altstadt entfernt. Wir werden 6 Tage hier bleiben und Stadt und Umgebung erkunden.

Tag 15, Ausflug Wolsztyn

Heute stand die Eisenbahn im Mittelpunkt. Wir nahmen den Bummler, ein Polnischer Diesel-Flirt mit Automatikschaltung und fuhren von Posen 80 km in 90 Minuten westwärts nach Wolsztyn, ein verschlafenes Nest in the middle of nowhere. Die einfache Fahrt kostete 12 Zloty (CHF 3.50), war pünktlich und die Komposition war klimatisiert!

In Wolszyn besuchten wir das Dampflokomotiven-Depot, es soll das einzige in ganz Europa sein, das täglich Dampfzüge bereitstellt, die dann im normalen Fahrplan auf kurzen Strecken verkehren. Im Depot gab es verschiedenste Dampflokomotiven zu bestaunen, zum Teil wurden auch Wartungsarbeiten ausgeführt.

Dann, um 15.10 kam der erwartete Dampfzug in Wolsztyn an und nach dem regulären Halt rangierte der Zug zum Depot zur Schlackengrube. Hier konnte man das Entleeren der Schlacke und danach das Nachfüllen des Tenders mit Wasser und Kohle und die liebevolle Pflege mit Lumpen und Hämmerli verfolgen.

 

Tag 14, Posen

Posen (Poznan), an der Warthe (Warta) gelegen, auch als Wiege von Polen bezeichnet, ist eine angenehme und sehenswerte Stadt.

Wir besuchten den Marktplatz, die Dominsel, wie schon in Breslau ein wichtiger Punkt in der Geschichte, Aussenquartiere mit gemütlichen Beizli, das Kaiserschloss und das neue Einkaufszentrum, das auf dem Gelände der alten Brauerei errichtet wurde. Ich bin ja nicht der „Mall-Fan”, aber ich muss zugeben, schön und interessant gestaltet (was die langweiligen internationalen Ketten im Haus nicht interessanter macht!).

Zu unserem Appartment noch, es ist immer noch gut, aber heute morgen um 06.30 standen wir im Bett, als gerade unterhalb von uns die Abfallkolonne den Kericht einlud und verdichtete. Kaum davon erholt, kam 15 Minuten später das Recycling-Kommando, das war noch übler….

Tag 13, Karpacz – Posen

Heute war es eine „Überführungsetappe” von Karpacz im Süden, nach Posen im „mittleren Osten” von Polen. Die Region haben wir auch gewechselt, von Schlesien nach Grosspolen. Wir fuhren die gut 300 km quer durchs Land und erlebten zwei gesperrte Strassen, die dann etwas Re-Routing mit dem Navi erforderten, aber für das sind die Geräte ja gebaut.

Die Strassen sind vielerorts in schlechtem Zustand, Schlaglöcher, Rillen wie Badewannen und Bahnübergänge wie Sprungschanzen! Und trotzdem wird hier geblocht, 120 km/h (anstatt erlaubte 90) sind normal und die Radaranlagen werden zuverlässig im Navi angezeigt. Autobahnen werden neu gebaut, die EU scheint hier spendabel zu sein und von Zeiz zu Zeit kann man einige Kilometet auf einem taufrischen Autobahnstück geniessen – einzig das Navi ist dann etwas im Ausnahmezustand, es kennt die neuen Abschnitte noch nicht….

In Posen haben wir nun ein kleines Appartement im ersten Stock in der Altstadt. Bis jetzt gemütlich, mal sehen.

Zum Abend ein erster Besuch auf dem Marktplatz; es herrscht gut Betrieb und alle Ständeli sind voll in Betrieb.

Tag 12, Karpacz

Heute haben wir uns dem Dorf Karpacz (Krummhübel), ein typisches Strassendorf, gewidmet und einige der Sehenswürdigkeiten aufgesucht. Das Dorf am nördlichen Rand des Riesengebirges erstreckt sich etwa über 6km und 400 Höhenmeter von 450 bis 850m.

Als erstes wanderten wir dem Dorfbach „Lomnica” entlang, der schon 1920 eine Hochwassersperre erhalten hat. Dann, nach 100 Höhenmeter im Sessellift, ging es am „grossen Wasserfall” und der Gravitationsanomalie, die angeblich Autos bergwärts rollen lässt, vorbei, hoch zur eigentlichen Attraktion, der Stabholzkirche Wang. Sie stand ursprünglich in Norwegen (gebaut um 1200), wurde dort 1840 ausrangiert und König Friedrich Wilhelm IV kaufte sie und liess sie zerlegt mit Schiff, Bahn und Rosswagen nach Karpacz bringen und wieder aufrichten.

Tag 11, Karpacz – Schneekoppe

Um 09.30 lief ich heute vom Hotel los, Richtung schwarzem Wanderweg, der mich dann nach knapp zwei Stunden auf den Pass „Sowia Przel” (1164m) führte. Nach den zum Teil steilen ersten 600 Höhenmetern fand ich einen Platz auf einem improvisierten Bänggli, um etwas Flüssigkeit nachzufüllen. Neben mir sass eine ältere Dame, Hedwila, wie sich herausstellte. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte, wie sie in Polen aufgewachsen ist und 1980 in Anbetracht der Situation mit dem kommunistischen System und dem verhängten Kriegszustand, nur noch die Emmigration als Lösung sah. Sie flog nach Deutschland, erhielt dort den deutschen Pass, aber dann sei es für sie klar gewesen, dass sie in die USA auswandern wolle. Sie tat dies, heiratete in San Franzisco einen Schweizer aus Brunnen und gründete dort die Familie mit zwei Kindern. Sie hat auch den US-Pass, nur den Schweizerischen hat sie, aus welchen Gründen auch inmer, nicht erhalten.

Sie ist nun vierfache Grossmutter und Witwe, lebt in den USA, kommt aber regelmässig nach Polen zu Besuch.

Zur polnischen Geschichte meinte sie, dass sie zu ihrer Schulzeit so abstrus zurecht gebogen worden sei und sie sie sich dann in der Emmigration um andere Sachen kümmern musste. Es sei jetzt der Zeitpunkt für sie das aufzuarbeiten und es fasziniere und schaudere sie jeden Tag, wenn sie das tue.

Wir verabschiedeten uns fast wie alte Bekannte und ich stieg auf der Krete, der Polnisch-Tschechischen Grenze entlang Richtung Schneekoppe. Zwei Hügel noch dazwischen, die Wanderer wurden etwas zahlreicher und dann kam die Schlusssteigung zur Kuppe (1602m).

Schöne Ausblicke auf beide Seiten.

Der Gipfel war gut bevölkert, führt doch von der Tschechischen Seite eine Sesselbahn bis auf den Gipfel. Die Polnische Bahn fährt nur bis zur kleinen Koppe, etwa 300 Höhenmeter unterhalb der Schneekoppe.

Ich wanderte an der polnischen Bergstation vorbei und nahm den schwarzen Weg runter nach Karpacz und die Wandererdichte nahm schlagartig ab. Nach 1000 Metern Abstieg und insgesamt 6h Wanderung war alles klar, tolles Gebiet, sehr gut erschlossen und gut besucht.