Nach zwei Wochen in Japan, hier mal ein paar Eindrücke von Land und Leuten in einer eher zufälligen Reihenfolge:
Update 3.4.2017
Ich habe gerade einen Artikel in der “japan times” gelesen, der über Resultate der ERSTEN Umfrage im Auftrag des Justizministeriums zur Diskrimierung von Ausländern durch Japaner berichtet. So geben 40% der 4252 Antwortenden Ausländer an, sie hätten in den letzten 5 Jahren keine Wohnung erhalten, weil sie nicht Japaner seien. 41% gaben an, sie hätten in der gleichen Periode erlebt, dass sie eine Wohnung nicht erhalten hätten, weil sie keine japanische Referenz/Bürgen angeben konnten.
Bei der Stellensuche, so berichten 25% der Befragten, seien sie mit der Begründung “Nicht-Japaner” abgelehnt worden und 20% sagten, sie verdienten weniger als Japaner in vergleichbarer Stellung. 30% gaben an, sie hätten mehrfach rassistische Äusserungen gegenüber ihnen erlebt.
Dem Artikel zufolge, leben 2,3 Mio Ausländer in Japan (das sind weniger als 2%!), das ist ein Anstieg um 135’000 im letzten Jahr.
Besonders rassistisch würden in gewissen Städten die Koreaner behandelt. Das Justizministerium sehe Handlungsbedarf und werde entsprechende Massnahmen einleiten oder weiter verfolgen.

- Wir erlebten die Japaner als sehr höflich und zurückhaltend. Das dauernde Verneigen geht zwar mit der Zeit auf den Wecker, aber okay. Dazu im Gegensatz stehen aber Rempeleien in der Menschenmenge, die es bei uns so nicht gibt und wenn es passiert, wird selten entschuldigt
- Es gibt unzählige Getränkeautomaten auf der Strasse und in Hotels, letztere bieten auch Bier zu vernünftigen Preisen an
- Man spürt irgendwie, dass eine grosse Diskrepanz zwischen dem aktuellen, technisch hochstehendem Alltagsleben und der Tradition und den Ritualen der Japaner besteht. Sie scheinen es zu meistern und die Jugend scheint z. B. auch Zunehmend Freude an traditioneller Kimonobekleidung zu haben (vielleicht wie Trachten und Schwingen das bei uns auch immer populärer wird).
- Die Konversation in Englisch ist schwierig, wir vermuten auch, dass sich die Japaner fürchten sich möglicherweise zu blamieren – andererseits trafen wir Studenten, die Englisch üben wollten und uns gratis durch Sehenswürdigkeiten führten
- Wandern oder Spazieren ist nicht ihr Ding, abgesetzte Wege in Orten oder Umgebung sind spärlich (und auf Gärten begrenzt) – es gibt Wanderwege – ich habe einen bei Kyoto gesehen. Und auch in den Alpen wird es sicher entsprechend Routen geben
- Die Betten in den Hotels sind ausgezeichnet – richtige Härte und vielfach Nordisch, wie beim Futon auch
- Die Landschaft im Flachland ist fast komplett zubetoniert, zumindest was wir aus dem Zug gesehen haben. Wir haben kein “ansprechendes Stadtbild” gesehen (Ausnahme ein Quartier in Takayama und zum Teil Tokyo)
- Kompensiert wird der für uns eher hässliche Anblick mit den angelegten Gärten
- Eine Erklärung mag die Knappheit an Siedlungsfläche, die komplette Zerstörung vieler Städte im zweiten Weltkrieg und das schnelle Wachstum sein sowie eine fehlende oder verschwundene Kultur von gepflegten Stadtbildern (kein Wunder besuchen die Japaner die Schweiz / Europa)
- Die bergige Umgebung hat auch dazu geführt, dass Japan Rail ihr Netz auf Meterspur aufgebaut hat. Erst mit dem Shinkansen wurde auf Normalspur gesetzt
- Der ÖV, insbesondere Zug (Shinkansen), funktioniert hervorragend und ist absolut pünktlich.
- Die Autofahrer sind diszipliniert, die Fussgänger haben Vortritt
- Japan schaltet nicht auf Sommerzeit um
- Es ist unglaublich sauber. Eigentlich überall, auch wenn die Abfallkübeldichte in den Städten bei gefühlten 0.1 Eimern pro km2 liegt
- In Städten ist auf den Strassen praktisch überall Rauchverbot. Es gibt ab und zu spezielle Raucherecken, die ohne Gebühr benutzt werden können. Umso erstaunlicher ist es, dass wir Beizen besucht haben, in denen einfach geraucht wurde. In vielen Restaurants gibt es auch abgetrennte Raucherareale, die meist kleiner sind als der Nichtraucherbereich
- Das japanische Essen ist vielfach eine Häppchenmahlzeit. Als Beispiel das japanische Morgenessen mit
- Fermentierte Sojabohnen
- Getrockneter und dann gegrillter Fisch
- Gemüse Pickels
- Onzen Ei (Dreiminutenei aus heissem Quellwasser
- In Nudelnteig eingewickelte Gemüse (Dumpling)
- Gemüsesuppe mit Ei
- Klebreis
- Seetang
- Gemüsesalat
- Und Anderes
- Das Onsenbad, das mit heissem mineralhaltigem Wasser gespeist wird und man in vielen Hotels oder als öffentliches Fussbad antrifft, ist speziell und sehr entspannend.
- Korrekte und modische Kleidung wird praktisch überall getragen. Wir haben keine Japaner in Shorts, Trainer etc. angetroffen
- Generell war es nicht so hektisch in den Städten, wie wir es erwartet hatten – wir waren immer schneller unterwegs, irgendwie schlurfen die Japaner etwas rum oder die vielfach beobachteten krummen Beine behindern sie tatsächlich
- Es gibt viele schier endlose Durchsagen in ÖV und bei Sehenswürdigkeiten
- Es fiel auf, dass einige Hochspannungsleitungen bis fast mitten in die Stadt geführt werden. Meine Vermutung ist, dass dies wegen Erdbeben so gemacht wird. Eine kaputte Hochspannungsleitung ist schneller repariert als ein unterbrochenes Kabel unter Trümmern lokalisiert und repariert.
- Ein Ryokan (traditionelles Hotel) mit Onsenbad gibt einen guten Eindruck in die klassische japanische Wohnweise und wenn das Essen noch serviert wird, dann wirds erst recht japanisch
- Beim Design von Verpackungen, Essen, Auslagen, Inneneinrichtung, etc. sind die Japaner auffallend kreativ, präzis und talentiert. Ein paar Beispiele von Essensauslagen sind in der Galerie
- Der Kampf zwischen Tradition und Moderne erkennt man auch bei den WCs: Traditionell ist es eine eingelassene Schüssel mit Spühlung und in westlichen Hotels sind es Riesenapparate mit Brillenheizung, Diskretionswassergeräuschen und Waschanlagen!
- Die Japaner sind verrückt nach Glacé, man findet auch Pommes Frites, Wurst, etc Aromen
- Die Währung hat keine “Untereinheiten” alles wird in Yen angeschrieben und gerechnet
- In den Städten ist viel in Englisch angeschrieben und in den Restaurants sind vielerorts Menukarten in Englisch verfügbar.
- Es herrscht ein regelrechter Plastikverschleiss: wenn ich 3 Weggli kaufe, wird jedes separat in einen Plastiksack gepackt und dann alles in einen Weiteren. Ist Brot dabei wird noch ein Frischhaltebeutel dazugegeben, bei einem Sandwich kommt noch der Eisbeutel oben drauf
- Wenn man durch die Strassen läuft, beschleicht einem machmal das Gefühl, dass eine Epidemie ausgebrochen ist, 20-50% der Japaner tragen, je nach Ort und Anzahl Leuten, eine Maske
- Essen kann man relativ günstig: ein Mittagsmenu mit Salat und einem Getränk erhielten wir für unter CHF 10.-
- Crêpe mit Crème und Früchten oder Softeis machen sie super, kostet ca CHF 4.-
- Mürbteigfisch mit Vanillefüllung ist lecker und für etwa CHF 1.20 frisch erhältlich

































































































































































